Von den festen Abläufen profitieren auch die Tagesgäste in der Webersgasse. Ihr Tag beginnt derzeit um 8 Uhr morgens mit einem gemeinsamen Frühstück. Dem anschließenden Plausch über die neuesten Nachrichten folgen regelmäßig individuelle Bewegungsübungen. Damit verbessern die Fachkräfte der Tagespflege die Mobilität der betreuten Menschen. »Alles in der Gruppe, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken«, ergänzt Güven. Dazu tragen auch Singen, Tanzen, ein Leseclub, Gedächtnistrainings und kleine Ausflüge bei – ein abwechslungsreiches Programm. Wer darauf keine Lust hat, darf sich natürlich auch einfach im Ruheraum oder auf der Couch entspannen.
Diese wie auch die anderen Sitzgelegenheiten des Hauses erinnern stilistisch an die Sechzigerjahre und erzeugen einen spannenden Kontrast zu den modernen und lichtdurchfluteten Räumen des Neubaus. »Wir haben uns bewusst für den Mix aus modern und traditionell entschieden, der bei unseren Gästen auch sehr gut ankommt«, ist Güven zufrieden.
Im Mittelpunkt: der Mensch
Auf dem neuesten Stand der Technik ist die Gemeinschaftsküche. Dort können die Tagesgäste beim Kochen und Backen ihr Können beweisen. Im Vordergrund steht hierbei der Spaß. »Schließlich ist in unserer Einrichtung bereits für leckeres Essen gesorgt«, betont Güven. Mittags kann zwischen Fleisch und vegetarischer Kost gewählt werden, zudem werden eine Vorspeise und ein Nachtisch serviert. Zum nachmittäglichen Kaffeeklatsch gibt es Kuchen.
Mit St. Leonhard hat sich die Stadtmission für ein besonderes Viertel entschieden. Der Nürnberger Stadtteil gilt sozial als eher schwach. Die Leiterin der Tagespflege sieht hierin eine Chance: »Hier leben Menschen aus allen Ländern. Damit treffen auch verschiedene Kulturen und Traditionen aufeinander. Das berücksichtigen wir bei unserer Arbeit.« Im Mittelpunkt stehe dabei immer der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen. Staudigl hebt weitere Standortvorteile hervor: »Unser Vermieter ist das Evangelische Siedlungswerk Nürnberg – ein geschätzter Partner. Die Tagespflege befindet sich im Erdgeschoss einer Mietanlage mit insgesamt 50 barrierefreien Sozialwohnungen für Seniorinnen und Senioren. Da ergeben sich quasi von selbst Kooperationsmöglichkeiten.«
Stichwort Kooperation: Mit der Diakoniestation Team Noris, dem Christian-Geyer-Heim und dem SIGENA-Nachbarschaftstreff ist die Stadtmission bereits vielfältig in St. Leonhard vertreten. »Mit der Tagespflege runden wir unser Angebot ab. Wir sind stolz darauf, dass wir die Senioren im Stadtteil nun ganzheitlich versorgen können«, erklärt Staudigl. Ein weiterer Vorteil der Einrichtung: Es können auch kurzfristig einzelne Tage für die Betreuung gebucht werden. Laut Güven ist dies ein echter Mehrwert, der pflegenden Angehörigen viel Flexibilität erlaubt. Zumal ein Fahrdienst die Gäste auf Wunsch morgens abholt und am Nachmittag wieder nach Hause bringt. So erhalten bis zu 18 Menschen in der Tagespflege St. Leonhard eine feste Struktur.
Text: Alexander Reind